Wo ist Teacher Mati? – Familie (T.2)

Mitte Februar war es dann endlich so weit. Am 13. Februar bin ich nach der zweiten Stunde mit dem Taxi 2 Stunden nach Siem Reap gefahren, um meinen Bruder und seine Freundin vom Flughafen abzuholen. Als ich vor den undurchsichtigen Schiebetüren des Terminals wartete, fühlte ich mich wie auf einem Konzert in der ersten Reihe, kurz bevor die Band auf die Bühne kommt. Es war ein glückliches Wiedersehen. Mit der Auto-Rickshaw fuhren wir zum Mittagessen und ich konnte ein wenig zeigen, was ich so die letzten 6 Monate gelernt habe, während mein Bruder mir einen echten deutschen Apfel in die Hand drückte. Ich dachte bei den ganzen tollen Früchten hier ist der doch bestimmt nichts besonderes, da hatte mich aber sehr getäuscht.

Noch am selben Tag ging es zurück nach Sisophon, wo meine beiden Familien, meine Eltern in der Woche darauf, auf einander trafen. Es war mir sehr wichtig mein jetziges Leben, meine kambodschanische Realität mit ihnen zu teilen, weshalb ich sehr dankbar bin, dass besonders meine Eltern all das Risiko auf sich nahmen, um mich hier zu besuchen. Am Freitag ging der Unterricht normal weiter, nur dass da jetzt noch zwei große, weiße Menschen mehr am Rand saßen. Meine Schüler*innen schienen davon aber nach dem ersten Interesse recht unbeeindruckt zu sein. Am Wochenende ging es dann nach Siem Reap auf einen kleinen Urlaub, der sich unverhofft verlängerte, da alle Klassen der Grundschule ihre Semester Examen hatten, weshalb keine Zeit mehr für den Sport Unterricht blieb. Meine Eltern kamen am Montag in Siem Reap an und so hatten wir mehrere Tage alle zusammen, was ich sehr genoß!

Am Mittwoch musste ich mich schweren Herzens wieder von meinem Bruder verabschieden, den ich dann erst in fünf Monaten wieder in meine Arme schließen kann. Mit den Eltern ging es weiter nach Sisophon. Am Wochenende besuchten wir noch Ankor Wat und dann war der Familienurlaub auch schon wieder vorbei. Meine Eltern setzten mich am Sonntag in der Schule ab und auch dieser Abschied war für ein weiteres halbes Jahr und deshalb nicht gerade leicht. Die beiden machten noch eine weitere Woche Urlaub im Osten des Landes, wohin ich sie allerdings nicht mehr begleiten konnte, da die Arbeit wieder rief.

Nach dem vielen hin und her reisen war ich aber auch froh wieder zurück im Projekt zu sein. Nach einer Woche ging es allerdings schon wieder weiter nach Phnom Penh auf das Zwischenseminar mit anderen deutschen Freiwilligen hier in Kambodscha. So war ich nach über einem halben Jahr zum ersten mal wieder in Prieb So, das ist die Jesuitenkommunität, in der ich meine erste Woche in Kambodscha verbracht habe. Dort traf ich mich mit Beni und bevor wir am Montag auf das Seminar fuhren, besuchten wir am Sontag noch das „Tuol Sleng Genocide Museum“, das auch S-21 genannt wird. 

Na? Wer erinnert sich noch?

Zur Zeit der Roten Khmer (1975-1979) kamen in diesem Foltergefängnis schätzungsweise 20.000 Menschen ums Leben. Die vier ehemaligen Schulgebäude mit Mangobäumen und Palmen im Innenhof bildeten eine völlig surreale Szenerie. Mit einem Audio-Guide lief ich drei Stunden durch die Häuser, die Zellen vorbei an noch erhaltenem Stacheldraht vor der Fassade eines Hauses und zwischen den unzähligen Bildern von Inhaftierten, Großvätern, Omas, Jugendlichen und Kindern. Auf meinem Weg durch die Räume merkte ich, wie sehr ich mich diesem Land schon verbunden fühle und wie ich mitfühlte. Leider gibt es in Kambodscha keine großangelegte, staatlich finanzierte Erinnerungskultur und das Museum ist eine der wenigen Stellen des öffentlichen Gedenkens an die Schreckensherrschaft der Roten Khmer, die schätzungsweise 2 Millionen Menschen das Leben kostete und bis heute alle Bereiche des Lebens prägt. 

Von dem am nächsten Tag folgenden Zwischenseminar und der eigentlichen Geschichte hinter dem Titel der Reihe berichte ich euch im letzten und dritten Teil.

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