Wo ist Teacher Mati? – Nach 200 Tagen (T.3)

Am Montag morgen kamen Benedicta und ich nach einer knappen Stunde Fahrt durch das stickige Phnom Penh beim Treffpunkt für das Zwischenseminar an. Mit einem Bulli ging es dann in vier Stunden nach Kampot einer kleinen Stadt, die direkt an einem ins Meer mündenden Flussdelta und neben dem Preah Monivong Bokor National Park liegt. Am ersten Abend des einwöchigen Seminars lernte wir 15 andere deutsche Freiwillige kennen, die mit den Organisationen Brot für die Welt, Via e.v. und den Sternsingern für ein Jahr in Kambodscha leben. Auch stellten wir uns gegenseitig unsere teilweise sehr verschiedenen Arbeitsstellen vor. Von „auf einer Insel Delfine zählen“ bis „englische Berichte gegenlesen“ war da alles dabei. (Vorsicht! Überspitzte Formulierung)

Trotz der unterschiedlichen Arbeit hatten wir aber auch viele ähnliche Erfahrungen im letzten halben Jahr gemacht und es tat gut sich auszutauschen. Besonders interessant fand ich allerdings die beiden kambodschanischen Seminarsleiterinnen, die uns an einigen Stellen die Augen öffneten oder die andere Seite darstellen konnten, wenn wir über interkulturelle Konflikte sprachen.

Benedicta und ich im Gespräch mit Lim, einer unserer Referentinnen

Es wurde aber nicht nur den ganzen Tag reflektiert und nachgedacht. So konnten wir jeden Tag im erstaunlich sauberen Fluß baden gehen, Volleyball spielen oder waren einmal auch Kajak fahren. Auf einer kleinen Exkursion besuchten wir eine selbstorganisierte Dorfgemeinschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hat das Küstengebiet vor privaten Investoren und illegaler Fischerei zu schützen. Im Gespräch mit dem Dorfvorsitzenden lernten wir, dass besagte Investoren große Teile des dort typischen Mangroven Waldes abholzen, zuschütten und mit schicken Resorts für Touristen bebauen wollen. Alleine für das Zuschütten der Fläche wäre es nötig zwei ganze Berge abzutragen (was hier nicht gerade unüblich ist). Schon seit über zehn Jahren kann diese Community mit Reports an die Regierung und anderen Aktionen den Kauf verhindern, den das Ministerium für Umwelt wohl sonst nicht verhindern würde.

Nach einer Woche „deutscher Ferien“ fuhr ich Samstag Nacht wieder zurück nach Sisophon und ging um 9 Uhr gleich wieder in die Messe. Ich bin wirklich über glücklich wieder zurück zu sein und freue mich jetzt darauf einen Monat einfach mal wieder Alltag zu haben. 

Nach über sechs Monaten, die ich jetzt schon hier in Kambodscha lebe und arbeite möchte ich mal eine kleine Zwischenbilanz ziehen und damit auch zum Titel dieser Reihe kommen: Wo ist Teacher Mati?

Immer wenn ich aus Siem Reap oder vom Zwischenseminar zurück in mein Projekt, nein in mein Zuhause kam war ich glücklich all die Menschen wieder zu sehen, mit denen ich in den letzten 200 Tagen so viel erleben durfte. Besonders meine kambodschanische Familie, also meine Kommunität habe ich schon lange in mein Herz geschlossen. Aber auch wieder mit den Scholarship Students gemeinsam zu essen oder mit den Scouts zu spielen erfüllte mich mit Freude und Dankbarkeit. Am stärksten und überraschendsten fand ich aber mein Wiedersehen mit meinen Schülerinnen und Schülern. Wie meine Kolleginnen mir berichteten fragten die Kinder oft nach, wo denn Teacher Mati sei und wann wir denn endlich wieder Sportunterricht haben können. Als ich dann endlich wieder auf dem Schulhof kam war die Freude bei vielen Kindern groß und sie kamen um mich zu begrüßen und schonmal abzusichern, dass jetzt wieder der normale Unterricht losgeht. 

Alles in allem merkte ich, dass ich in den letzten Monaten ein fester Bestandteil der Schulgemeinschaft geworden bin und dass mich manche Menschen tatsächlich vermisst haben. Dieses Wissen berührt mich tief und macht mich so glücklich. Ebenso schwingt für mich aber schon eine gewisse Trauer mit, da mir bewusst wird, dass auch diese Zeit ihre Begrenztheit hat. Aber da kommt wieder mein Neujahrsvorsatz zum tragen: Präsenz! Den Moment leben.

Auf einer geraden Straße ohne Abzweigungen lohnt es sich nicht auf die Karte zu schauen, man sollte lieber die Landschaft genießen.

In diesem Sinne danke ich euch sehr für eure Zeit und euer Interesse an meinen Erfahrungen! Passt bitte auf euch auf, wo immer ihr gerade unterwegs seid und habt eine schöne Woche. Ab jetzt hoffe ich, dass so eine lange Reihe an Einträgen nicht mehr nötig ist. Auf bald!

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