Die Xavier Jesuit School in Zeiten von Corona

Bis kurz bevor ich mein lieb gewonnenes Einsatzland Kambodscha wegen des sich immer weiter ausbreitenden Corona-Virus verlassen musste, war dieser zumindest in der Kambodschanischen Öffentlichkeit kein all zu großes Thema. Die Regierung gab sich alle Mühe die Risiken von Covid-19 nicht mit der Bevölkerung zu teilen und diejenigen, die sich auf Social-Media offen kritisch äußerten wurden bedroht und teilweise mittels eines neuen Gesetzes gegen Fake-News eingesperrt. Ich möchte aber anmerken, dass auch viele falsche und gefährliche Gerüchte auf Facebook und Instagram verbreitet wurden. Zum Zeitpunkt meiner Abreise am 19.03. zählten die Kambodschanischen Behörden 24 Fälle seit Anfang der Aufzeichnungen in Deutschland waren es zum selben Zeitpunkt schon knapp 11.000 Fälle, die das RKI zählte. Neben der Verschwiegenheit der Regierung sind auch die fehlenden Ressourcen ein Grund für die niedrigen Zahlen.

Das einzige Institut, welches fähig ist die Tests auszuwerten befindet sich in Phnom Penh und in den vergangenen Monaten wurden hier fast ausschließlich Ausländer, Touristen oder direkte Kontakte von solchen auf das Virus überprüft. Eine offensive Testwelle in der breiten Bevölkerung bleibt hingegen aus. Noch während ich in Sisophon gelebt habe gingen vermehrt Gerüchte von plötzlich Verstorbenen um, die offiziell einem Herzinfarkt erlagen. Und wahrscheinlich war meine Wahrnehmung durch die Umstände beeinflusst, aber ich meine, dass es in den letzten Wochen mehr Beerdigungen als sonst gab. Diese sind leicht an den Gesängen der Mönche zu erkennen, die durch Lautsprecher über das ganze Dorf schallen. Aktuell bestätigte die WHO insgesamt 125 Fälle in Kambodscha bis zum 5. Juni. Soweit zur aktuellen Datenlage im Land.

Bestätigte Infektionen (kumuliert) in Kambodscha nach Daten der WHO (Quelle)

Am selben Tag an dem wir von Jesuit Volunteers und Weltwärts nach Deutschland zurückgerufen wurden, änderte die Regierung ihren Umgang mit dem Virus grundlegend. In einem Brief ordnete Ministerpräsident Hun Sen die sofortige Schließung aller Schulen im ganzen Land an. Der Brief traf bei uns in der Mittagspause ein und eine gute halbe Stunde später mussten sich die teils lachenden, teils weinenden Schüler*innen auf den Weg nach Hause machen ohne zu wissen, wann sie wohl wieder zurückkommen dürfen.

In den letzten zweieinhalb Monaten blieb das Gelände für alle Nicht-Angestellten geschlossen, so gibt es auch keine Gruppenstunden der Pfadfinder mehr und alle Scholarships wohnen in ihren Familien. Nach der Schulschließung forderte die Regierung von allen Bildungseinrichtungen online weiter zu unterrichten. Dank den vielen Spender*innen war die XJS in der Lage nach den Ferien rund um das kambodschanische Neujahr die Lehrer*innen zu mobilisieren und zwei YouTube-Kanäle mit Lehrinhalten für die Grundschule und die Mittelstufe auf die Beine zu stellen. In den höheren Klassenstufen können die Schüler*innen sogar in Zoom-Calls mit den Lehrer*innen interagieren und Fragen stellen.

Doch nicht alle Familien besitzen ein Smartphone oder das Geld für neues Datenvolumen. Darum vergibt die Schulleitung alle paar Wochen Auflade-Coupons für mobiles Internet und die Lehrer*innen besuchen die Familien ganz ohne Smartphone mit den ausgedruckten Lehrmaterialien, um auch sie auf dem neusten Stand zu bringen. Doch obwohl es diese Angebote gibt fehlt den Kindern eine Struktur im Tag, die Bewegung und das Spielen mit den Freunden und Freundinnen. In der letzten Woche verkündete das Bildungsministerium, dass es Schulen erst am 1. November erlaubt sein wird die Schule zu öffnen, also erst zu Beginn des neuen Schuljahres. So reißt der Kampf gegen das Virus eine riesige Lücke in den Bildungsweg der Kinder in ganz Kambodscha, von denen die meisten öffentliche Schulen besuchen, die sicher nicht die Mittel haben, um einen konsequenten Online-Unterricht durchzuführen.

Neben den Schulen schloß die Kambodschanische Regierung Ende März auch Universitäten, Museen, Kinos und zeitweise auch Restaurants und Malls. Auch die Außengrenzen zu Thailand, Laos und Vietnam sind bis heute geschlossen, was ca. 40.000 Kambodschaner*innen, die im Ausland arbeiteten zwang zurück zu ihren Familien zu kommen. Während der zweiwöchigen Feierlichkeiten zum Khmer New Year wurden sogar die innländischen Provinzgrenzen für den öffentlichen Verkehr geschlossen. Einen Lockdown verhängte die Regierung allerdings nicht, wohl auch weil weite Teile der Bevölkerung auf ihren täglichen Lohn angewiesen sind.

Doch es gibt auch gute Nachrichten, denn nach langem Warten fing nun endlich die Regenzeit an. Noch im Mai trockneten ganze Flüsse aus und die Dürre brachte auch viele Familien der Scholarships in existenzielle Nöte, weil sie kein Wasser mehr hatten. Nicht wenig Wasser, sondern KEIN Wasser. Trinkwasser mussten sie in Kanistern auf dem Markt kaufen, Dinge wie Geschirrspülen, Körperpflege oder die Bewirtschaftung eines kleinen Gartens sind aber unmöglich geworden. Auch hier tut die Schule was sie kann, und beliefert ca. 100 der ärmsten Familien mit Notfallpakteten im Wert von USD 15, die eine fünfköpfige Familie für zehn Tage ernähren kann. Eben diesen Familien fehlt zurzeit ein tägliches Einkommen, weshalb die Schule begonnen hat 1000 Masken nähen zu lassen, welche bei Schulbeginn an die Schüler*innen verteilt werden sollen. Mit dieser Arbeit können sich diese Familien einen kleinen Lohn verdienen.

Aufgrund der schlechten Datenlage ist es schwer abzusehen, wie das Virus Kambodscha in den kommenden Wochen und Monaten mitnehmen wird. Was mir Hoffnung macht, ist das niedrige Durchschnittsalter der Bevölkerung und die relativ geringe Bevölkerungsdichte. Beides sollte die Ausbreitung des Virus erschweren. Ich bin weiterhin mit Lehrer*innen und Kommunitätsmitgliedern in Kontakt und im Grunde sind sie alle guter Dinge. Anfang Juni verließ Brother Deepak die Schule und befindet sich jetzt auf dem Weg nach Rom, wo er Theologie studieren wird.

Alles was die Xavier Jesuit School für ihre Schüler*innen und deren Familien leistet ist nur wegen ihren vielen Unterstützern möglich. Gerade in Zeiten von Grenzschließungen, Abschottung und Social Distancing finde ich es wichtig in Zeichen von globaler Solidarität zu zeigen. Und auch wenn wir zuhause bleiben müssen können wir etwas mit anderen Menschen teilen und sie in dieser unwirklichen Situation unterstützen. Ich würde mich sehr freuen, wenn auch ihr teilhaben wollt und für die Xavier Jesuit School vielleicht zwei oder drei Essenspakete spendet. Vielen Dank!

Hier findet ihr die Kontoverbindung:

Bank: Liga Bank

IBAN: DE61 7509 0300 0005 1155 82

BIC: GENO DEF1 M05

Verwendungszweck: X65200 Sisophon

Mit diesen Kontaktdaten geht das Geld an die deutsche Jesuitenmission, welche 100% an die XJS weiterleitet. In diesem Video erklärt Father Quyen SJ an welchen Stellen das Geld am dringendsten gebraucht wird:

Danke für euer Interesse und eure Zeit. passt auf euch und eure Mitmenschen auf und bleibt gesund. Bis zum nächsten Mal!

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