Die Jesuit Volunteers

Ende Oktober letzten Jahres habe ich mich bei den Jesuit Volunteers, dem Freiwilligenprogramm der deutschsprachigen Jesuitenmission (https://www.jesuitenmission.de/), beworben. Die Jesuitenmission bietet seit über zehn Jahren Freiwilligeneinsätze in Partnerprojekten in Osteuropa, Afrika, Asien und Latein­amerika an. Jedes Jahr entsendet die in Nürnberg ansässige Organisation 25 Freiwillige zwischen 18 und 99 Jahren in Schulen, Kulturzentren, Pflegeheime für Menschen mit Handicap und andere soziale Einrichtungen der Jesuiten.

Diese Entsendung ist hier ganz im jesuitischen Sinne gemeint. Die Jesuiten sind Teil eines über 500 Jahre alten katholischen Ordens, der direkt dem Papst unterstellt ist. In ihrem Gehorsam werden die Ordensmänner von ihren Vorgesetzten alle 5-10 Jahre in eine neue Arbeits- und Wohnstelle entsandt. Genauso hatten wir Volunteers wenig Einfluss darauf, wo wir im kommenden Jahr leben und arbeiten werden. Zwar kann jede und jeder sich mit Bedenken und Wünschen einbringen, jedoch liegt die Entscheidung letztendlich bei den Referentinnen der Mission. Dies schafft die Herausforderung auch unerwartete Gegebenheiten anzunehmen und das Beste aus ihnen zu machen. Die Entsendung ist einer der zwei Schwerpunkte der Jesuit Volunteers. Der zweite liegt im Motto:

„Ein Jahr anders leben!“

In einem FSJ der Jesuit Volunteers liegt der Fokus auf dem Perspektivwechsel und dem beidseitigen Austausch im Alltagsleben zwischen Projekt und Volunteer. Es geht um Begegnung auf Augenhöhe und die Offenheit, Neues zu erfahren. Ich möchte nicht als mitfühlender Europäer in das arme Kambodscha gehen und in meinen Blog-Einträgen erzählen, wie extrem doch alles dort ist. Nein, ich will als wissbegieriger junger Mensch meinen Alltag neu denken und mit Menschen, die wahrscheinlich vieles anders sehen werden als ich, in Gemeinschaft leben und arbeiten. Diese und viele weitere Gedanken haben sich die anderen 19 Volunteers und ich im letzten Dreivierteljahr auf Vorbereitungsseminaren und Praxistagen gemacht, die jeder und jede vor seinem Jahr besuchen muss. Hier werden Themen, wie Gerechtigkeit, Armut, einfacher Lebensstil, Postkolonialismus und andere Dinge behandelt und diskutiert, um sensibel und bewusst in das Jahr zu gehen.